Güstrow


Güstrow
Gụ̈strow
 
[-tro],
 
 1) Kreisstadt in Mecklenburg-Vorpommern, 15 m über dem Meeresspiegel, in seenreicher Umgebung, am teilweise kanalisierten Warnowzufluss Nebel, 36 800 Einwohner; Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Mecklenburg-Vorpommern, Ernst Barlach Stiftung, Schlossmuseum, Museum der Stadt Güstrow; Zucker-, Möbel-, Lebensmittelindustrie, Metallwarenherstellung, Baubetriebe; Verkehrsknotenpunkt, bei Güstrow Regionalflughafen Rostock-Laage.
 
 
In der Altstadt gut erhaltenes Straßenbild, Marktplatz mit klassizistischem Rathaus (1797/98), Bürgerhäuser (16.-18. Jahrhundert), Marienkirche (14. Jahrhundert begonnen, im 19. Jahrhundert verändert; mit Schnitzaltar, 1520-22, wohl von J. Borman dem Jüngeren). Gotischer Dom, 1226 als dreischiffige Backsteinbasilika begonnen, um 1350 vollendet, mit reicher Ausstattung: Flügelaltar (um 1500), Apostelfiguren von C. Berg (nach 1532), Grabmäler Güstrower Fürsten (16. Jahrhundert), u. a. Wandgrab des Herzogs Ulrich (1584-99), Neuguss des 1937 eingeschmolzenen Güstrower Ehrenmals (»Schwebender«) von E. Barlach (1927). Das Schloss, ein Hauptwerk der norddeutschen Renaissance, wurde ursprünglich 1558-94 von F. Parr u. a. als Vierflügelanlage erbaut; 1795 erfolgte jedoch das Abtragen des Ostflügels und eines Teils des Nordflügels; nach Restaurierungen im 19. Jahrhundert umfassende Wiederherstellung 1964-75. - Zur Ernst Barlach Stiftung (etwa 320 Skulpturen, über 1 000 Handzeichnungen, 200 Druckgrafiken, 110 literarische Manuskripte, 110 Skizzen- und Taschenbücher mit mehreren Tausend Zeichnungen E. Barlachs) gehören die Museen Atelierhaus (Wohnhaus und Atelier des Künstlers am Heidberg, 1930/31 erbaut) und Gertrudenkapelle, ein schlichter einschiffiger Backsteinbau des 15. Jahrhunderts.
 
 
Das 1226 im Anschluss an ein slawisches Dorf gegründete Güstrow erhielt 1228 Stadtrecht. 1235-1436 war Güstrow Residenz der Fürsten von Werle, 1556 wurde es (bis 1695) Residenz der Herzöge von Mecklenburg-Güstrow.
 
 2) Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern, 2 058 km2, 113 700 Einwohner. Der Kreis wird von Grundmoränen der jüngsten Weichseleiszeit mit aufgesetzten Endmoränenbögen (im Rugberg westlich von Bützow 147 m über dem Meeresspiegel) bedeckt und von Warnow, Nebel und Recknitz durchflossen. Pleistozäne Gletscherzungen schufen Becken mit Seen (Bützower, Güstrower und Teterower Becken). Etwa 15 % der Kreisfläche sind bewaldet. Im Süden hat der Kreis Güstrow Anteil an der Mecklenburgischen Seenplatte (Erholungsgebiet) mit dem Krakower See. Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft; neben dem Anbau von Getreide, Ölsaaten, Futterpflanzen und Hackfrüchten wird Viehzucht (Rinder, Schweine, Schafe) betrieben. Die Veredlung landwirtschaftlicher Produkte durch die Lebensmittelindustrie ist Hauptindustriezweig. Daneben gibt es auch einige Betriebe der Metall-, Holzverarbeitung (Möbelfabriken) und Textilindustrie. Größte Stadt ist die Kreisstadt Güstrow (neben Industrie auch Fremdenverkehr), weitere Städte sind Teterow, Bützow, Laage (Flugplatz), Gnoien und Krakow am See (Fremdenverkehr). - In den seit dem 3. 10. 1990 zu Mecklenburg-Vorpommern gehörenden Landkreis Güstrow wurden am 12. 6. 1994 der frühere Kreis Teterow und Gebietsteile des ehemaligen Kreises Bützow eingegliedert.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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